28.3.2026 im Schlossbrauhaus Schwangau. Unten: Zünftige Blasmusik. Oben: der Saal zum Bersten voll, denn rund 60 streckenfluginteressierte OAL-GSler sind gekommen um dem Vortrag „Streckenfliegen“ von Vereinskollege, Strecken- und Wettkampfpilot Martin Petz zu lauschen.
Martin fliegt seit 2005, hat über 135 Wettbewerbe absolviert, mehrere tausend Stunden Airtime gesammelt und viele beeindruckende Streckenflüge gemacht. Er trainiert intensiv. Seit ein anderer Wettkampfpilot seinen Take-Off mit „Man, you start like shit“ kommentierte, auch das Starten.
Seinen Vortrag baute Martin chronologisch auf:
1. Ausrüstung
Wichtig ist ein Schirm, dem man vertraut, und ein Gurtzeug, das bequem ist. Ein neuer Schirm sollte nicht mit einem sehr alten Gurtzeug kombiniert werden. Bequeme, warme Kleidung gehört ebenso dazu, bei Bedarf auch beheizbare Handschuhe.
2. Der Pilot
Ein zentrales Thema war die eigene Flugpraxis. Sicheres Starten sollte regelmäßig geübt werden, zum Beispiel beim Groundhandling. Auch das Landen erfordert Aufmerksamkeit, da sich die Windrichtung bodennah ändern kann. Thermikfliegen braucht Übung, genauso wie die mentale Stärke, dranzubleiben. Körperliche und mentale Fitness sind entscheidend. Ebenso wichtig sind saubere Flugtechnik und die Fähigkeit, das Wetter richtig einzuschätzen.
3. Aktive Sicherheit
Das Wichtigste ist der Pilot selbst. Nach dem Winter sollte man langsam wieder einsteigen und mehr üben, etwa durch Groundhandling oder Sicherheitstrainings. Wettereinschätzungen und Wetterentscheidungen spielen eine zentrale Rolle, um Risiken zu minimieren. Dazu gehört auch die Bereitschaft, landen zu gehen, selbst wenn andere noch fliegen. Feedback von anderen Piloten sollte aktiv eingeholt und angenommen werden.
4. Passive Sicherheit
Zur passiven Sicherheit gehört Live-Tracking mit einem geteilten Link. Die Ausrüstung sollte überprüft sein, insbesondere der Schirm und der Retter. Ein Buddy-Check vor dem Start ist sinnvoll. Außerdem sollte eine Notfallplanung mit Kontaktdaten und Versicherungsinformationen vorhanden sein. Ein gründlicher Wettercheck gehört ebenfalls dazu.
5. Vorbereitung und Flug
Bereits am Vortag bereitet Martin Ausrüstung und Geräte vor. Ausreichend trinken, keinen Alkohol konsumieren und früh schlafen gehen. Auch die Anreise sollte entspannt und rechtzeitig geplant sein.
Am Flugtag erfolgt ein erneuter Wettercheck, sowohl live als auch auf Basis der Vorhersage. Die Anreise sollte früh genug erfolgen. Essen und Trinken sind wichtig, wobei Martin nicht zu viel Kaffee empfiehlt. Der Startplatz sollte rechtzeitig erreicht werden. Die Ausrüstung wird vorbereitet, gerne auch noch einmal im Schatten abgelegt. Beobachtungen von Vögeln und anderen Piloten helfen bei der Einschätzung der Bedingungen. Der Startzeitpunkt sollte bewusst gewählt werden, mit vollem Fokus auf den Start.
6. Thermik finden
Thermik lässt sich unter anderem durch Thermikanzeiger wie Vögel oder andere steigende Schirme erkennen. Auch die Geländeausrichtung ist entscheidend: morgens eher Osthänge, mittags Südhänge, schneefreie und sonnenbeschienene Bereiche. Abrisskanten sind ebenfalls relevante Bereiche. Ergänzend erwähnte Martin die Dreieckstheorie mit dem umgekehrten Dreieck, von dem Honig abtropft, beschrieben von Ferdinand Vogel.
7. Thermik nutzen
Thermik sollte möglichst schnell angeflogen werden. Wenn andere bereits kreisen, ordnet man sich ein. Die Drehrichtung ergibt sich aus den anderen Fliegern bzw. wenn man allein ist, aus dem Gefühl für die Thermik. Im Zweifel eher gegen den Wind eindrehen. Enges Kreisen hilft, den Kern nicht zu verlieren. Ziel ist es, mit möglichst wenig Bremse zu fliegen, aber so viel wie nötig für Sicherheit. Die Außenbremse eher öffnen als innen stärker anzubremsen. Der Außenflügel sollte im Kreis über dem Piloten bleiben. Suchkreise helfen bei der Zentrierung.
Die 45-Grad-Regel beachten! Sie besagt, dass der Wolkenrand maximal in einem Winkel von 45 Grad peilbar sein muss, um in Falle starken Steigens unter Wolke den sicheren Rand zu erreichen. Wir wollen ja nicht eingesaugt werden. Gleichzeitig sollte die Umgebung beobachtet werden, um zu erkennen, ob es an anderer Stelle besser steigt. Beim Abflug sollte man so planen, dass man die nächste Thermik gut erreicht.
8. Fliegen & Gleiten
Die Route sollte im Kopf klar sein. Eine Art Perlenkette aus Thermiken vor dem inneren Auge hilft bei der Flugoptimierung. Geschwindigkeit wird über Bremse und Beschleuniger reguliert, ohne zu viel einzugreifen. Martin teilt den Himmel in Bereiche ein. Keine Scheuklappen: Auch wenn das (nächste) Ziel schon nah ist, aufmerksam bleiben (steigt jemand anders besser?). Entspannen gehört ebenfalls dazu, genauso wie Essen, Trinken und auch mal Fotos machen.
Spaß haben, hoch bleiben und das Ziel im Blick behalten, aber Schritt für Schritt denken. Das Wetter sollte immer beobachtet werden. Auch der eigene „Batteriestand“ (und ggf. auch der deiner Geräte) ist relevant.
9. Landen
Ein möglicher Landeplatz sollte immer in Reichweite sein, idealerweise mit zwei Optionen nebeneinander. Auch Alternativen hinter einem sollten bedacht werden. Ein Tipp ist, möglichst nahe an einer Straße zu landen, um eine Mitfahrgelegenheit zu haben, jedoch nur wenn es sicher ist. Die Windrichtung muss beachtet werden, ebenso mögliche Gefahren wie Seile, Stromleitungen, drehende Windrichtung in Bodennähe.
10. Fazit
Streckenfliegen macht nicht glücklich. Der Spaß am Fliegen macht es.
Danke Martin für einen genialen Vortrag. Mein persönliches Fazit: Es gibt nicht den einen genialen Trick, der einen zum herausragenden Streckenflieger macht, es ist die Summe der minutiösen Planung, des tiefen Wissens und intensiven Trainings, und vielleicht auch eine Portion Talent, die einen außergewöhnlichen Piloten ausmachen.
Von Martin genutzte Webseiten:
- Flugdatenbank: XContest, DHV-XC
- Wetter: meteo-parapente, xc-therm, paraglidable, breezeDude, windy,
- meteoblue
- Flugplanung: flyxc.app, SeeYou.cloud, ThermiXC, GoogleEarth
- Flugapps: SeeYou, XCTrack, Burnair
- Livetracking: XCTrack, PureTrack.io, InReach
